Diagnose Rheuma: Was jetzt zählt – ein Erfahrungsbericht

Shownotes

Diagnose Rheuma – und jetzt? Für viele ist der Moment der Diagnosestellung ein Wendepunkt. So auch für Tanja Renner, Gründerin von NIK e. V. (Netzwerk Autoimmunerkrankter) und selbst betroffen von Psoriasis-Arthritis und Colitis ulcerosa. Im Gespräch mit Host Phil erzählt sie, wie sich ihre ersten Symptome anfühlten, warum sie jahrelang nicht ernst genommen wurde und wie sie ihren persönlichen Weg zum Umgang mit ihren Autoimmunerkrankungen gefunden hat.

Heute setzt sie sich mit dem von ihr gegründeten Netzwerk für andere Betroffene ein. Ein Gespräch über Kraft, Kommunikation – und die kleinen Dinge, die im Alltag mit Rheuma einen Unterschied machen.

Du erfährst:

  • Warum die richtige Diagnose oft Jahre dauert – und was das emotional bedeutet

  • Wie Vertrauen zu Ärzt*innen entstehen kann und warum es so wichtig ist

  • Welche Rolle Routinen, Achtsamkeit und kleine „Lifehacks“ im Alltag spielen

  • Wie Tanja trotz Rückschlägen Kraft schöpft – und was sie ihrem früheren Ich heute sagen würde

Weiterführende Links & Anlaufstellen:

Mein Rheuma Kompass Website

NIK e. V. (Netzwerk Autoimmunerkrankter)

🎙️ Eine Initiative von AbbVie Deutschland.

💬 Du hast Themenwünsche? Schreib uns an patientengagement.de@abbvie.com!

Transkript anzeigen

00:00:02: Mein Rheuma Kompass. Der Podcast. 2

00:00:11: Hallo, ich begrüße euch recht herzlich zu einer weiteren Folge von Mein Rheuma Kompass. Heute habe ich die liebe Tanja Renner zu Gast und wir sprechen über das Thema Diagnose Rheuma. Und jetzt? 3

00:00:21: Liebe Tanja, magst du dich vielleicht einmal ganz kurz vorstellen? Sehr gerne. Mein Name ist Tanja Renner und ich bin die Gründerin von NIK e.V., dem Netzwerk für Autoimmunerkrankte und habe 4

00:00:32: selbst zwei Autoimmunerkrankungen, eine Psoriasis-Arthritis und eine Colitis ulcerosa. Vielen, 5

00:00:39: vielen Dank! Wir kennen uns nun ja auch schon viele lange Jahre und ich bin stolzer Partner deines Netzwerkes. Und dann würde ich auch direkt in die Frage der Woche bzw die Startfrage 6

00:00:50: überleiten, die wir in jedem Podcast haben. Und zwar ob es diese Woche oder ganz allgemein ein besonderes Erlebnis für dich gab, das dich inspiriert oder auch berührt hat. 7

00:01:02: Ja, tatsächlich. Wir sind so ein bisschen aus der Sommerpause gestartet und haben schon die erste Veranstaltung wieder gehabt. Und mich hat diese Woche besonders berührt, dass mir eine Patientin 8

00:01:14: danach schrieb. Dank eurer Aufklärung habe ich endlich verstanden, was mit mir los ist und ich endlich weiß, was ich machen soll. Vielen Dank für diese tollen Aufklärungsveranstaltungen, die ihr 9

00:01:25: habt. Und solche Momente geben mir natürlich unheimlich viel Kraft und motivieren mich immer wieder und zeigen mir, dass ich das Richtige tue mit NIK. Das kann ich vollkommen nachvollziehen. 10

00:01:36: Und es gibt dann ja auch in den schweren Zeiten, wo es einem vielleicht selbst mal nicht so gut geht, den enormen Boost zu sehen, dass man einen Mehrwert für viele, viele andere Betroffene eben 11

00:01:44: darstellen kann. Ja, absolut. Du sagtest gerade eben in deiner Vorstellung, 12

00:01:51: dass du zwei Autoimmunerkrankungen hast und mich würde mal interessieren, welche Symptome bzw Anzeichen gab es denn eigentlich damals bei dir, bevor diese Erkrankungen diagnostiziert werden 13

00:02:02: konnten. Und was haben diese Symptome für Gedanken bei dir hervorgerufen? Also man merkt ja, dass man alt wird. Und ich jetzt mittlerweile wirklich lange, 14

00:02:15: lange zurückblicken muss. Fast über 20 Jahre. Weit über 20 Jahre. Und bei mir fing das 15

00:02:22: halt immer mit geschwollenen Knien an und am Anfang habe ich das eigentlich immer noch ganz gut in den Griff bekommen, dass ich, wenn ich rechtzeitig Salben aufgetragen habe und kühlen 16

00:02:31: konnte, dass ich immer noch so diesen Peak vermeiden konnte, dass es so richtig losging. Und 17

00:02:38: da habe ich mir natürlich noch gar nichts bei gedacht. Ich habe das immer dann halt auf irgendwelche sportlichen Aktivitäten zurückgeführt und dann wurden aber die Abstände 18

00:02:45: immer kürzer und immer schlimmer und immer kürzer. War dann tatsächlich so, dass wir über einmal die Woche sprachen, dass ich abends gesund ins Bett gegangen bin und morgens mit Elefantenknien 19

00:02:57: aufgewacht bin. Ich hatte nur teilweise 80 Milliliter Flüssigkeit in den Knien und meine Hauptaufgabe bestand nur noch darin, dass ich mir Orthopäden gesucht habe, die gut punktieren 20

00:03:08: konnten und mir halt Umschläge drum gemacht haben, es punktiert haben, Kortison gespritzt haben und danach ging es weiter. Weil ich war natürlich auch gerade so in meiner 21

00:03:19: beruflichen Phase, mich zu entwickeln und mich zu positionieren. Und ich mochte natürlich auch nicht immer wieder sagen ich kann jetzt nicht arbeiten. Das ging ja gar nicht. Und ich wurde dann halt 22

00:03:29: immer so gepimpt, dass es irgendwie ging. Aber ich wusste halt nie, was mit mir los ist. Und das hat mich in eine komplette Verzweiflung getrieben. Und das ging weit über fünf Jahre in einer Zeit, wo 23

00:03:41: ich einfach absolut jung war. Und man ist jung und fit und nicht man ist jung und krank und dann auch noch jung und krank, ohne zu wissen was man hat. Also das hat mich sehr sehr, sehr belastet. Und 24

00:03:54: ja, wie gesagt, das waren über fünf Jahre, bis dann endlich die Diagnose gestellt wurde, dass ich eine Psoriasis-Arthritis habe. Du hast mir gesagt, dass du viele Orthopäden aufgesucht hast, die dir 25

00:04:05: die Gelenke punktiert haben. Aber gab es von deren Seite aus dann überhaupt einen Verdacht in irgendeine Richtung oder war das so? Ja, das ist ein ähnliches Geschehen, was wir jetzt 26

00:04:14: wegpunktieren müssen. Genau. Also die Orthopäden waren also in keinster Weise bereit, mehr Diagnose-Forschung zu betreiben. Sie haben einfach 27

00:04:27: nur ihre Aufgabe erledigt, indem sie das Knie punktiert haben und mit Zinkwickeln, genau. Mir fiel eben gerade der Name nicht ein. Genau, es waren immer so Zinkverbände. Noch drum gemacht. 28

00:04:36: Wahrscheinlich kennst du das auch. Nein, da hat keiner eigentlich noch mal ein bisschen näher geforscht. Bis ich dann irgendwann bei dem letzten Orthopäden war, der dann irgendwann sagte, wir 29

00:04:47: können so nicht weitermachen. Ähm, welch schlaue Erkenntnis. Und er sagte, das fliegt uns 30

00:04:54: irgendwann alles um die Ohren, dass ich ständig Kortison spritze. Und der hat dann endlich mal angefangen, ein bisschen in die Tiefe zu einzusteigen und hat dann festgestellt, dass 31

00:05:05: meine Rheumawerte erhöht sind. Und dann wurde ich zum Rheumatologen überwiesen und der stellte 32

00:05:12: dann aber nach ganz kurzer Zeit fest, dass ich so kleine Pünktchen an den Fingernägeln hatte und daraus wurde dann eine Psoriasis-Arthritis abgeleitet, weil ich habe tatsächlich ganz wenig 33

00:05:21: an der Haut gehabt. Also der Schwerpunkt war bei mir nur in den Gelenken und ich sprach jetzt die ganze Zeit auch nur von den Knien. Aber bei mir waren es dann auch die Ellbogen und und am Fuß 34

00:05:31: hatte ich halt auch ständig Beschwerden. Also es war schon sehr umfangreich und es ist auch sehr frustrierend. Das kann ich auch aus der eigenen Warte sagen. Wenn man da im jungen Alter, wo man 35

00:05:40: ganz viele andere Ambitionen hat, wie du es eben auch gesagt hast, weiß, irgendwas stimmt mit meinem Körper nicht, aber man weiß nicht so richtig was. Und wenn auch die Ärzte da keine Energien rein 36

00:05:50: investieren, dann ist man dem ganzen ja ziemlich hilflos ausgesetzt. Ja, und du wirst halt einfach auch nicht ernst genommen. Und du zweifelst an dir selber und du siehst jung, fit, gesund aus und 37

00:06:02: bist... aber die Schmerzen zerfressen dich. Du bist so verzweifelt und es tut so wahnsinnig weh und eigentlich glaubt es dir keiner. Ja, da kann ich eigentlich keine Ergänzungen mehr vornehmen, weil 38

00:06:14: das ist immer noch das, was einem alltäglich irgendwie begegnet. Aber mittlerweile hast du ja ein Netzwerk, in dem du auch viel mit Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeitest. Also wie bist du von 39

00:06:26: diesem "Die Ärzte hören dir eigentlich gar nicht so zu" zu dem Stand gekommen, dass du jetzt eine gute Kooperation mit den Ärzten fahren kannst. Also was hat dir dabei geholfen? Das ist jetzt 40

00:06:36: eine umfangreiche Frage, aber ich bin mir sicher, du gibst mir eine kurze Antwort. Eine kurze 41

00:06:43: Antwort kann ich dir gar nicht geben. Nein. Also die ärztliche Zusammenarbeit oder oder Kooperation, wie du es nennst, ist dann tatsächlich entstanden. Wie ich eben gerade sagte, es kam dann 42

00:06:55: ja der Rheumatologe ins Spiel, der ganz schnell reagiert hat und mich zu einem der besten Dermatologen zum Glück direkt überwiesen hat. Und das war halt mein großes Glück, dass ich einfach 43

00:07:04: in dem Moment bei den besten Ärzten war und Nägel mit Köpfen gemacht wurden. Und, 44

00:07:11: mein Dermatologe hat mir so viel Sicherheit gegeben und mir das Gefühl gegeben, dass ab jetzt alles in seiner Hand liegt. Und wenn wir gemeinsam und ich mitmache, dass wir das hinkriegen, dass es 45

00:07:23: mir auch wirklich schnell wieder gut geht. Und ich habe ihm zutiefst vertraut und tue es auch heute noch. Wir sind gemeinsam alt geworden und uns verbindet so viel und gefühlt weiß, 46

00:07:36: was mein Dermatologe fast, ja er weiß viel, viel mehr von mir als viele andere. Und er hat mir zugehört. Und er hat mir alles erklären können. Und wir sind einfach so eng zusammengewachsen und ich 47

00:07:47: habe ihm vertraut. Und die offene Kommunikation zwischen uns beiden hat halt, glaube ich, genau das 48

00:07:54: ausgemacht. Und ich habe halt auch gemerkt, dass ich ihm vertrauen konnte, denn mir ging es wirklich ganz schnell einfach wieder wahnsinnig gut. Das Vertrauen zwischen Patienten und Ärzten 49

00:08:05: ist halt auch einfach unfassbar wichtig für die Compliance gegenüber der Medikamente und der Wirksamkeit dieser. Also ja, absolut. Wir hatten das Vertrauen angesprochen und ich 50

00:08:18: finde Vertrauen ist eine Art und Weise bzw. ist eine Emotion, die man in einer anderen Person gegenüber auch gewissermaßen eröffnet. Und da habe ich die Frage mitgebracht: Welche Emotionen 51

00:08:28: Gedanken haben dich eigentlich in den ersten Tagen nach der Diagnose begleitet? Also ich meine das jetzt erzählt, dass es über Jahre hinweg du so ein bisschen im Raum standest und es nicht so 52

00:08:38: wirklich wusstest. Was ist das eigentlich mit meinen Gelenken? Warum muss ich regelmäßig zum Orthopäden gehen? Und jetzt hattest du endlich eine Diagnose? War das ein Gefühl der Erlösung 53

00:08:46: oder waren das eher negative Emotionen, Gedanken, Gefühle? Es war eigentlich alles, weil es ist so 54

00:08:53: ein Prozess. Also ich hatte letztens auch ein Gespräch mit einer Betroffenen, die sagte es war 55

00:09:00: halt einfach ein Wow-Erlebnis, dass sie dann die Diagnose hatte. Dann habe ich auch überlegt, war das wirklich ein Erlebnis bei mir? Und das war es nämlich nicht. Das war eher so Schock, Angst, 56

00:09:12: Zweifel, weil das Ganze hieß Rheuma. Und auch heute noch ist ganz 57

00:09:19: viel. Oder sind ganz viele Reaktionen in der Gesellschaft, das Rheuma ja eine Alte-Leute-Krankheit ist. Und ich habe dann überlegt, hat meine Oma Rheuma gehabt? Haben meine Eltern Rheuma? 58

00:09:30: Wo kommt das her? Warum habe ich das? Und ich fand, das passt halt so gar nicht in meinen Lebenszyklus rein. Und dann war ich aber natürlich froh, dass ich wusste, was es ist, weil 59

00:09:41: natürlich das ja kein Zustand war, dass ich abends gesund ins Bett gehe und morgens wirklich als Krüppel quasi aufwache, weil ich überhaupt nicht mehr aufstehen konnte und 60

00:09:52: geschweige denn alleine irgendwie die Treppen steigen konnte. Es ging ja einfach gar nichts mehr. Deswegen war ich natürlich total erleichtert und hatte dann auch das Wow-Erlebnis. Aber ich habe 61

00:10:02: mich natürlich schon gefragt wie soll mein Leben jetzt weitergehen? Du bist doch einfach noch so jung. Und ja. Aber dann, wie gesagt, nahm es ja seinen Lauf und ich konnte dann auch recht 62

00:10:13: schnell feststellen, dass es mir auch wirklich gut ging wieder. Also dass einfach die Therapien, die damals - ja, ich gehörte zu den ersten, die dann schon die modernen Therapien in Anspruch 63

00:10:23: nehmen durften und das war halt einfach eine komplette Veränderung meines Lebens. 64

00:10:30: Das kann ich mir gut vorstellen und das hält wahrscheinlich auch bis heute an, dieser Zustand, oder? Also vielleicht ein bisschen in Verläufen, wo man auch mal negativere Phasen hat und denen nicht 65

00:10:39: ganz so gut gegenübergestellt ist. Aber so insgesamt, wie wir es aus der heutigen jetzigen Perspektive betrachten. Also ich muss natürlich auch eingestehen, dass ich so der typische Patient 66

00:10:50: war oder bin und meine Erfahrung machen musste. Ich bin dreimal im Kloster gewesen und habe gedacht, wenn ich jetzt ins Kloster gehe, ein komplettes Heilfasten mache, danach geht es mir 67

00:11:00: super, dann habe ich auch kein Rheuma mehr, dann ist alles vorbei. Oder meine Psoriasis-Arthritis ist weg. Es war super im Kloster. Es hat mir wirklich gut getan und ich habe dann meine 68

00:11:11: Medikamente abgesetzt und nach drei Monaten gab es dann immer wieder so also auch diese Erfahrung habe ich gemacht, dass das das ist einfach zu mir gehört und 69

00:11:23: heute geht es mir total gut. Außer dass ich tatsächlich letztes Jahr leider, leider auch noch 70

00:11:30: zu einer zweiten Autoimmunerkrankung gekommen bin, was ja häufiger auch der Verlauf von Autoimmunpatienten ist. Deswegen habe ich ja auch mit NIK ein interdisziplinäres Netzwerk aufgebaut, 71

00:11:41: wo ich halt die digitale Lotsenfunktion übernehmen möchte für unterschiedlichste Autoimmunerkrankungen. Und ich habe jetzt eine Colitis ulcerosa diagnostiziert bekommen. Und ich 72

00:11:52: muss dir ganz ehrlich sagen, ich habe immer - das ist ja so ein Herzstück auch mit von NIK die Mutmach-Geschichten - in den Mutmach-Geschichten immer gedacht, wenn ich die gelesen habe: Ich bin 73

00:12:02: wirklich dankbar, dass ich keine chronisch entzündliche Darmerkrankung habe. Und ja, Bingo! Ich habe sie dann bekommen und das hat mich schon noch mal ganz schön aus der Bahn geworfen. Aber 74

00:12:13: jetzt geht es mir wieder sehr gut. Ja, das freut mich zu hören, dass du jetzt an einem Stand bist, 75

00:12:20: wo du sagen kannst, dass es dir auch mit der zusätzlichen Autoimmunerkrankung sehr gut geht. Du hast das Kloster angesprochen, die Besuche im Kloster und darauf aufbauend ein bisschen die 76

00:12:33: Frage, wie sich dein Alltag dann abseits der Klosterbesuche durch die Krankheit verändert hat. 77

00:12:40: Also ich musste natürlich lernen, gewisse Routinen anzupassen, Pausen zuzulassen. Ich bin ja ein totaler Power-Mensch und vergesst mich da am liebsten. Oder 78

00:12:53: schnell? Ja, meistens ganz schnell. Gut so! Und 79

00:13:00: das musste ich halt lernen, dass ich da Pausen zulasse, Dass ich Prioritäten neu setze. Und 80

00:13:07: das war schwer und das ist immer noch schwer. Aber auch ein Weg zu mehr Achtsamkeit. Und ich hole mich da immer wieder runter. Und wer, wer NIK verfolgt, kriegt das ja auch so ein bisschen mit, 81

00:13:18: dass ich da auch so meine Höhen und Tiefen habe. Aber ich bin guter Dinge und bin gut dabei. Das klappt eigentlich sehr gut. Ja, das freut mich sehr. Hast du abweichend von den Routinen, den 82

00:13:30: Veränderungen der Routinen, die du durchlebt hast, auch Lifehacks? Also es gibt ja irgendwie Leute, die keine Ahnung, irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel nehmen oder auf 83

00:13:40: irgendwas anderes schwören. Hast du in die Richtung irgendwas? Ja. Ich gehe jeden Tag mit meinem Hund spazieren. Im Wald. Das ist so meine Zeit und da bin ich auch ziemlich konsequent, dass 84

00:13:52: ich dann auch keine Telefonate annehme und dass ich auch wirklich bei mir bin und bei meinem Hund. Ich habe tatsächlich angefangen, auch Sport noch zu betreiben und da bin ich ganz aktiv dabei. Es 85

00:14:05: steht fest in meinem Terminkalender drin und einfach kleine Schritte statt Perfektion. Also 86

00:14:12: zum Beispiel habe ich jetzt auch angefangen, Brot zu backen. Das ist so meine Meditation, das tut mir total gut und ich nehme natürlich auch Nahrungsergänzungsmittel. Aber das, finde ich, ist 87

00:14:20: so individuell immer. Da muss einfach jeder auch gucken, in welcher Rücksprache er da auch mit seinen Ärzten steht und was er braucht. Aber die habe ich auch. Also ich wollte jetzt auch keine 88

00:14:32: spezifischen Hinweise oder Tipps von dir bekommen, sondern nur einfach einen allgemeinen Einblick, welche Life Hacks du da in deinen Alltag noch integriert hast. Ja, meistens denke ich auch dran, 89

00:14:43: die, die die Vitamine morgens zu nehmen. Also das kommt ja auch immer noch dazu, sie nur zu Hause zu haben, die Nahrungsergänzungsmittel ist ja das eine. Aber auch das. Da bin ich ganz konsequent. Ja. 90

00:14:54: Da können Sie sich, glaube ich, die eine oder anderen Leute eine Scheibe von abschneiden. Und mein jüngeres Ich kann sich da mit Sicherheit auch eine Scheibe von abschneiden. Aber von meinem 91

00:15:01: jüngeren Ich zu deinem frisch diagnostizierten Ich die Frage: Was würdest du eben jenem frisch diagnostizierten Ich aus Perspektive von Tanja aus deiner heutigen Perspektive gerne sagen? Mit 92

00:15:13: dem Wissen, was du heute über deine Erkrankung bzw. deine Erkrankungen hast? Ja, also ich 93

00:15:20: finde es ja immer so abgedroschen, wenn man sagt, es hat ja alles einen tieferen Sinn. Und 94

00:15:27: ich glaube es ist tatsächlich so und man muss sich in dem Moment einfach ein bisschen 95

00:15:34: zurücknehmen und auch sagen Mach dir vielleicht ein bisschen weniger Sorgen. Du wirst deinen Weg finden. Und der Weg ist natürlich bei jedem unterschiedlich und anders. Aber man darf sich 96

00:15:43: selber keine Vorwürfe machen, dass man selber irgendwas vielleicht falsch gemacht hat oder dass man sich selbst noch bestraft und: Warum ich jetzt? Ich glaube, da muss man sich so ein 97

00:15:53: bisschen zurücknehmen und nicht sofort ist immer alles klar. Das ist auch ganz logisch, aber es wird mit der Zeit leichter. Und auch gerade, wenn man sieht, dass man nicht alleine ist. Nicht alleine 98

00:16:05: sein ist ein sehr, sehr guter Punkt. Und ich finde, das ist ja auch in vielerlei Hinsicht auch das, 99

00:16:12: was NIK eben zusammenbringt. Aber ein kleiner Spoiler an der Stelle: Wir werden in einer weiteren Folge ein bisschen intensiver über NIK reden und dann könnt ihr da gerne wieder rein 100

00:16:19: schalten und Tanja und mir ein weiteres Mal lauschen. Dieses Zusammenhaltsgefühl hat mir persönlich damals sehr viel Energie gegeben, aber auch Mut gespendet, weil ich eben gesehen habe, 101

00:16:32: was haben andere Leute, die eine ähnliche Krankheitsgeschichte haben wie ich selber, alles erreicht? Wie war das bei dir? Also, woraus hast du deinen Mut damals 102

00:16:45: geschöpft und woraus schöpfst du ihn vielleicht auch heute? Also meinen Mut habe ich eigentlich immer daraus geschöpft, dass meine Grundeinstellung immer doch sehr positiv ist und 103

00:16:57: dass ich weiß, dass es sich oder ich wusste immer, wofür es sich lohnt zu leben und weiterzumachen. Und gerade wenn man, wenn ich Mut schöpfe und merke, dass mein Engagement, was 104

00:17:10: meine Disziplin und das, was ich getan habe, dann halt auch geholfen hat, war das gut für mich. Und heute ist es halt auch so, wenn ich sehe, dass das Engagement, was ich 105

00:17:22: jetzt halt betreibe, anderen Hoffnung gibt, ist dieses Miteinander unheimlich stärkend. Und in 106

00:17:29: meiner damaligen Zeit, wer meine Mutmach-Geschichte auch gelesen hat, hat man halt gesehen, dass meine Mutter eine wahnsinnig große Rolle darin gespielt hat, die mir immer wieder 107

00:17:39: geholfen hat und immer wieder für mich da war. Und die hat mir einfach Mut gegeben und es hilft, einfach eine Person im Leben zu haben, ob das eine Freundin ist, ob es Familie ist, wer auch immer, 108

00:17:51: dass man sich der Person wirklich öffnet und die einfach teilhaben lässt am Leben, auch wenn man manchmal mit Schmerzen noch so grantig und ätzend ist. Also ich, ich glaube, ich war 109

00:18:01: richtig, richtig ätzend. Wirklich. Und das tat gut, dass immer jemand da war, der einem geholfen hat. 110

00:18:08: Und irgendwann war es mein Mann, der mich sogar im Rollstuhl quasi kennengelernt hat und akzeptiert hat und mir das Gefühl gegeben hat, für mich da zu sein. Und das gibt Mut und das 111

00:18:18: Miteinander ist unglaublich stärkend. Das sind wirklich wichtige Bezugspunkte, die du da gerade angesprochen hast. Mit der Mutter, mit dem Mann, mit dem familiären Umfeld. Also das kann ich da nur 112

00:18:29: bestätigen. Und auch wenn man, wie du sagst, immer Tage hat, an denen man grantig ist und an denen man irgendwie vielleicht nicht seine Sahneseite von sich zeigt, die eben dann trotzdem gut zu einem 113

00:18:39: sind und ganz genau wissen an irgendeinem Punkt: Okay, das ist jetzt gar nicht gegen mich selber gerichtet, sondern das ist basierend darauf, wie ich es der Tanja oder dem Phil gerade geht. Und 114

00:18:48: das ist auch für die Angehörigen, die jetzt vielleicht mitunter zuschauen, auch glaube ich noch mal ein wichtiger Hinweis, dass das oftmals einfach auf der Krankheit beruht, wenn man da ein 115

00:18:58: bisschen gereizter ist als an anderen Tagen als an der Einstellung der anderen Person gegenüber. Ja, wir sind schon am Schluss der Folge angekommen, Tanja. Und da möchte ich dich um eine 116

00:19:10: Botschaft für unsere Zuhörerschaft fragen. Und zwar möchte ich gerne wissen, was du anderen Menschen mitgeben möchtest, die gerade vor einer ähnlichen Situation stehen wie du am Anfang 117

00:19:22: deines autoimmunerkrankten Lebens. Äh, ja. Also gerade was ich auch gesagt 118

00:19:29: habe: Du bist nicht allein, würde ich jedem immer wieder sagen. Nimm dir Zeit, um die 119

00:19:36: Diagnose anzunehmen und verliere auf gar keinen Fall den Mut, denn es gibt immer Wege und Lösungen. Man muss nur im Austausch stehen. Man darf sich nicht im Schneckenhaus verstecken und 120

00:19:49: sich isolieren und gar nicht reden. Das ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig. Also, du bist nicht 121

00:19:56: allein wäre meine Botschaft. Ja, vielen, vielen Dank für die tollen Schlussworte, Tanja. Dann möchte ich 122

00:20:03: mich an dieser Stelle bei Dir bedanken, dass du heute zu Gast warst in der Folge "Diagnose Rheuma und jetzt?" und gebe den Zuhörenden noch mal den Hinweis, dass wir in einer weiteren Folge über das 123

00:20:14: Netzwerk Autoimmunerkrankter ein bisschen intensiver reden würden. Vielen, vielen Dank, Tanja. Ja, ich habe mich sehr gefreut, dass ich dabei sein durfte. Der Podcast ist Teil der Mein Rheuma 124

00:20:24: Kompass Initiative. Die dazugehörige Website findet ihr in der Beschreibung. In der Beschreibung findet ihr außerdem weitere Informationen zu der vergangenen Folge. Der Rheuma 125

00:20:35: Kompass ist eine Initiative von AbbVie Deutschland.